Südthüringer Zeitung

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Erschienen am 17.11.2007 00:00
Skilanglauf
Cuno Schreyl, Vater der Erfolge
Beim Saison-Höhepunkt Tour de Ski wollen die deutschen Elite-Langläufer vorn mitmischen
Von Gert Hellmann
Langlauftraining_Oberhof072 Bild vergrößern
Axel Teichmann (v.) und Jens Filbrich „wurzeln“ mit Maximaltempo den Anstieg hinauf.
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Oberhof Der Tag ist noch jung, es ist noch nicht ganz hell im tief verschneiten Thüringer Wald. Gähnende Leere herrscht am Grenzadler. Nur vier Männer mit Langlaufski in den Händen und einer ohne Ski eilen in die Rennsteig-Arena. „Lauft euch warm, dann beginnen wir mit leichten Anstiegsläufen ohne Stöcke“, sagt der ohne Ski. Es ist Cuno Schreyl, Coach der erfolgreichsten Langlauf-Trainingsgruppe der Welt.

Gerichtet ist die Aufforderung des 47-jährigen Altersbachers an den zweifachen Weltmeister, Axel Teichmann, den WM-Dritten des Ski-Marathons von Sapporo, Jens Filbrich, den Aufsteiger der letzten Saison, Franz Göring, und Kai Bochert. Wortlos realisieren die Athleten Schreyls Anweisung. Der Weltklasse-Trainer korrigiert hier und da Körperhaltung, Armbewegung und Skiabdruck. Meist genügen Blicke, um sich mit seinen Sportlern zu verständigen, was nicht wundert. Die Gruppe mit Teichmann, Filbrich und dem vom Leistungsport schon zurückgetretenen Ron Spanuth aus Ruhla hat Cuno Schreyl schon im Winter 98/99 übernommen. Der Bayer Tobias Angerer ist vor zwei Jahren hinzugestoßen und seitdem die Nummer 1. im Weltcup der Skilangläufer.

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„Es ist erstaunlich, welche Wortschöpfungen dir immer wieder einfallen.“

Axel Teichmann

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„Macht jetzt einige Anstiegsläufe mit Stöcken. Beginnt verhalten, steigert euch und wurzelt auf den letzten 50 Metern, was das Zeug hält“, fordert Schreyl als Nächstes von seinen Stars. „Es ist erstaunlich, welche Wortschöpfungen Dir immer wieder einfallen“, spöttelt Axel Teichmann auf das „wurzeln“ als Synonym für die von Schreyl geforderte Maximalbelastung. Der zweifache Weltmeister nimmt diese

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Jens Filbrich mit perfekter Körperhaltung beim Techniktraining ohne Stöcke.
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Herausforderung jedoch ebenso konsequent an wie seine Trainingskameraden. In aufrechter Körperhaltung rennen Teichmann, Filbrich, Göring und Bochert mit unglaublicher Schrittfreqenz den kurzen, knackigen Anstieg fünfmal in Folge hoch. Teichmann erreicht die von Schreyl mit dem Stiefel in den Schnee gezogene Zielmarke stets als Erster. Nach dieser kurzen, intensiven Übung schickt der Trainer seine Männer auf eine 12-Kilometer-Schleife Richtung „Hohe Möst“, um im klassischen Diagonalschritt vor allem die Technik weiter zu verfeinern.

„Die Athleten kommen aus dem wegen der Schneemassen zu früh beendeten Höhentraining von der Tauplitzalm. Sie müssen sich erst wieder an die normale Höhe anpassen. Das dauert ein paar Tage. Deshalb machen wir auch nur mäßig intensive Einheiten. Wenn es richtig zur Sache geht, rennen die den Birxstieg 10- bis 15-mal hintereinander hoch“, erklärt der diplomierte Sportlehrer und Trainer. Zudem sei das Techniktraining auch im fortgeschrittenen Athletenalter unverzichtbar. „Die Meinung, ich bin ein Star und brauche kein Techniktraining mehr, lasse ich nicht aufkommen. Jeder Fehler in der Körperhaltung oder ein Nachlassen der Körperspannung ist kontraproduktiv, kostet Kraft und Zeit. Sie wollen die tollen Autos fahren, das haben sie auch alle geschafft, dafür müssen sie aber entsprechend arbeiten“, erklärt Schreyl in Anlehnung an die Festlegung des Deutschen Ski-Verbands (DSV), wonach Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sowie Platzierte in der roten Gruppe (ersten 15 der Weltrangliste) zum Chauffieren der taubenblauen Audi-Quattros berechtigt sind.

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„Die Sportler lieben es, in den Loipen am Rennsteig zu laufen.“

Cuno Schreyl

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Cuno Schreyl ist froh darüber, dass seine Athleten eine Woche vor dem Weltcupauftakt im norwegischen Beitostölen aufgrund des Schneefalls in den vergangenen Tagen in heimischen Gelände trainieren können. „Im Arenal der Rennsteig-Arena gibt es vielfältige Trainingsmöglichkeiten. Zudem sind die Sportler sehr heimatverbunden, sie lieben es, in den Loipen am Rennsteig zu laufen. Natürlich sind sie gedanklich schon beim Weltcup. Dafür haben sie monatelang hart gearbeitet.“

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„Jeder Athlet ist eine individuelle Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen.“

Cuno Schreyl

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Prognosen über das Abschneiden der deutschen Elite-Langläufer wollte der Trainer jedoch nicht geben. „Uns fehlt der Vergleich. Wir

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Der „Chef“, Cuno Schreyl, erklärt, wo es zur Weltspitze geht. Jens Filbrich (r.) und Franz Göring hören zu.
Bild: Heiko Matz
hatten nur einen Testwettkampf auf der Tauplitzalm. Den hat René Sommerfeld vor Tobias Angerer und Jens Filbrich gewonnen. Hingegen haben die Norweger schon mehrere interne Ausscheidungsrennen absolviert. Der Höhepunkt im kommenden Winter ist die Tour de Ski vom 29. Dezember bis 8. Januar. Dort wollen wir schon mitmischen. Schließlich ist Tobias Angerer der Titelverteidiger.“

Trotz der phänomenalen Erfolgen seiner Athleten verfällt Cuno Schreyl nicht in Euphorie. Es sei wesentlich leichter gewesen, die Jungen in die Weltspitze zu führen, als sie dort über Jahre zu etablieren. „Bei der enormen Leistungsdichte im Männer-Langlauf sind Platzierungen unter den Top-Ten schon Riesenerfolge.“

Für Schreyl ist das gemeinsame Training leistungsstarker Athleten in der Gruppe der Schlüssel zum Erfolg. Auch hält der Altersbacher nichts von einer Hackordnung: „In meiner Gruppe sind Weltmeister, Weltcupgesamtsieger und Olympiamedaillengewinner. Sie sind alle Stars. Ich denke, dass jeder weiß, dass sein Erfolg nur durch das Gruppentraining möglich wurde. Was den Trainingsumfang betrifft, hatten wir mit Andreas Schlütter einen, der in der Hackordnung ganz oben stand. Dennoch konnte nicht jeder diese Umfänge trainieren. Jeder Athlet ist eine individuelle Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen. Das muss ich berücksichtigen. Der Rücktritt von Ron Spanuth tut mir noch immer weh, der war eine Waffe. Aber was soll‘s, Ron ist glücklicher Familienvater mit drei Kindern.“ Schreyl macht keinen Hehl daraus, dass es leichter war, die Jungs zu trainieren, als sie noch keine Stars waren. „Es ist schwieriger geworden, sie als Gruppe zusammenzuhalten. Mit ihren Erfolgen ist das öffentliche Interesse an den Sportlern gewachsen. Sie nehmen viele Termine wahr, versuchen, sich bestimmte Freiheiten und Annehmlichkeiten des Lebens zu erkämpfen. Das ist normal, aber nicht immer mit dem Training zu vereinbaren.“

Nicht nachvollziehen kann Cuno Schreyl den gegen die deutschen Elite-Langläufer von einigen einflussreichen Leuten, wie dem Heidelberger Anti-Doping-Experten Werner Franke ausgesprochenen Doping-Generalverdacht: „Erfolgen haftet immer etwas Mystisches an. Die Erfolge der von mir trainierten Athleten sind nicht über Nacht gekommen. Es hat mehrere Jahre hartes Training und unendlich viele Entbehrungen gekostet, bis sie die Früchte ihrer Arbeit ernteten. Jeder Einzelne aus meiner Gruppe kann zu jeder Tages- und Nachtzeit kontrolliert werden, man wird nichts finden. Auch kann keiner unbemerkt ein paar Tage nach Spanien zu Dr. Fuentes fahren, um sich Blut entnehmen oder zuführen zu lassen.“

Schreyl stellt jedoch nicht in Abrede, dass es unter der Weltelite schwarze Schafe gibt: „Ein Leistungszuwachs von einem Prozent innerhalb einer Saison ist machbar. Wenn jedoch Langläufer ihre Leistungen innerhalb von einem Monat um vier Prozent steigern können, habe ich als Trainer jahrelang etwas verkehrt gemacht.“

Der bodenständige Trainer sieht die Verunglimpfung von Thüringer Skilangläufern durch unbewiesene Doping-Verdächtigungen auch als Schlag gegen die gesamte Heimatregion: „Wenn es am Rennsteig die Weltklasse-Sportler nicht gäbe, wäre die ehe schon überalterte Region ganz tot.“

Zur Person
  • Geboren: 25. 02. 1960
  • Wohnort: Altersbach
  • Beruf: Diplom-Trainer
  • Verein: SV Rotterode
  • Erfolge als Langläufer:
  • Teilnahme an JWM
  • Erfolge als Trainer:
    • 4 Gold-, 4 Silber- und 5 Bronzemedaillen bei Olympischen spielen und Weltmeisterschaften;
    • 3 Gesamtweltcupsiege
    • 11 Junioren-Weltmeister
 
 

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