Südthüringer Zeitung

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Erschienen am 07.04.2007 00:00
INTERVIEW MIT SVEN FISCHER UND AXEL TEICHMANN
„Ich werde voll weitertrainieren“
Doping-Kontrollsystem ist wie Leben im offenen Vollzug / Halbschwanger führt zur Fehlgeburt
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Blumen gab es für Axel Teichmann von stz-Redakteurin Silke Wolf (r.); des Weltmeisters Lieblingsgetränk, Cola im Geschenkkarton, überreichte der Schmalkalder Bürgermeister Thomas Kaminski (M.). FOTO/3: MATZ
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Weltstars des Skisports sind sie, abgehoben sind sie deshalb nicht – Sven Fischer und Axel Teichmann. Auch beim stz-Talk im altehrwürdigen Schmalkalder Rathaussaal gaben sich der vierfache Biathlon-Olympiasieger, siebenfache Weltmeister und zweifache Gesamtweltcupsieger aus Schmalkalden sowie der zweifache Weltmeister im Skilanglauf und Gesamtweltcupsieger 2005 aus Bad Lobenstein bescheiden, bodenständig und sehr aufgeschlossen.

stz: Es gibt Langlauftrainer, die behaupten, dass ein gesunder Axel Teichmann nicht zu bezwingen ist.

Axel Teichmann: Jeder ist zu bezwingen, ich auch, zumal wenn mein Training wie im zurückliegenden Jahr durch Verletzungen keinesfalls optimal verlaufen ist.

Sie sind aber nach Ihrem Titelgewinn 2003 in Italien trotz Verletzungen und Krankheiten erneut Weltmeister geworden.

Axel Teichmann: Ja, weil ich mich voll und ganz auf die Weltmeisterschaft in Sapporo vorbereitet habe. Dafür habe ich im Weltcup und bei der Tour de Ski ausgesetzt. Für eine volle Saison hätte meine Vorbereitung nicht ausgereicht.

Wann waren Sie sich Ihres Sieges beim WM-Doppelverfolger von Sapporo sicher?

Axel Teichmann: Eigentlich erst auf der Ziellinie. Als wir am Ende allerdings nur noch zu viert im Rennen um die Top-Plätze waren, habe ich schon mit einer Medaille gerechnet.

Woher nimmt Axel Teichmann die enormen Kraftreserven auf den letzten Rennkilometern? Ist das Veranlagung, eine besondere Gabe?

Axel Teichmann: Das ist keine besondere Gabe, das ist antrainiert und gelingt mir auch nur, wenn ich hundertprozentig fit bin.

Sven Fischer: Axel ist ein sehr kräftiger Athlet mit ausgezeichneten Herz-Kreislauf-System. Er hat schon die körperliche Hardware, um solche Attacken im entscheidenden Moment setzten zu können.

Sven, Sie waren während der gesamten zurückliegenden Biathlon-Saison immer auf Tuchfühlung mit den Allerbesten. Mit Ausnahme der Staffel-WM-Bronzemedaille sind Ihnen jedoch diesmal die ganz großen Erfolge versagt geblieben.

Sven Fischer: Ja, das stimmt. Bis zum Weltcup in Oberhof verlief eigentlich alles nach Plan. Nachdem ich mich dort durch einen Sturz beim Einlaufen verletzt hatte, gab es jedoch eine Leistungslücke zu den Spitzenleuten. Die konnte ich bis zur Weltmeisterschaft in Antholz nicht schließen, zumal ich die nötige Höhenanpassung für die WM-Wettkämpfe nicht hinbekommen habe. Erst am Saisonende konnte ich den Besten wieder im Kampf um Platz und Sieg Paroli bieten.

Den für Sie greifbar nahen Sieg beim Weltcup in Oslo hat Ihnen der norwegische Biathlon-König Ole Einar Björndalen vermasselt. Ist das Thema erledigt?

Sven Fischer: Ole tritt vor der Öffentlichkeit immer als der smarte Athlet auf. Sobald der jedoch eine Startnummer trägt, hat er Scheuklappen auf. Es hat mich schon mächtig geärgert, dass er vor dem Zieleinlauf in der Kurve an einer Stelle überholt hat, wo gar kein Platz dazu vorhanden war, zumal ich auf der letzten halben Runde die ganze Führungsarbeit gemacht habe. Das Thema ist abgehakt.

Axel Teichmann: Bei uns ist das Gerangel im Feld gang und gebe. Da steigt einem öfter mal einer hinten drauf.

Nehmen Sie sich denjenigen nach dem Rennen zur Brust?

Axel Teichmann: Nein, den merke ich mir nur. Es gibt doch einen nächsten Wettkampf.

Beim WM-Teamsprint hat aber ein tschechischer Läufer Sie und Ihren Partner Tobias Angerer durch regelwidriges Verhalten um eine Medaille gebracht.

Axel Teichmann: Freilich, die Jury hat es aber nicht geahndet und am grünen Tisch um eine Medaille zu feilschen, liegt mir nicht.

Der norwegische Biathlet Lars Berger hat bei der nordischen Ski-WM in Sapporo einen Einzeltitel und Gold mit der Staffel gewonnen. Werden solche Wechsel zwischen Biathlon und Langlauf oder umgekehrt Schule machen?

Sven Fischer: Diese Versuche, auch im Langlauf zu starten, hat es schon früher gegeben. Schule wird das aber nicht machen. Halbschwanger führt immer zur Fehlgeburt. Das Leistungsniveau der Weltspitze ist sowohl beim Biathlon als auch beim Langlauf viel zu hoch, als ob da mal auf die Schnelle was in fremden Gefilden zu ernten ist.

Axel Teichmann: Das FIS-Reglement im Langlauf lässt es zu, dass auch Biathleten oder Nordisch-Kombinierer bei FIS-Rennen starten können, wenn sie die Leistungskriterien erfüllen. Ich kann damit leben, das Björndalen oder Berger bei uns starten. Beide besitzen eine sehr gute Lauftechnik und sind auch athletisch stark.

Können Sie sich vorstellen, Wettkämpfe mit dem Gewehr auf dem Rücken zu bestreiten?

Axel Teichmann: Ich habe schon einige Male in der Rennsteig-Arena geschossen. Wechsel zum Biathlon wird es jedoch nicht geben. Unser Training unterscheidet sich schon von dem der Biathleten. Schon deshalb, weil wir ja auch in der klassischen Technik laufen.

Wie viele Kilometer trainieren Sie jährlich?

Axel Teichmann: Zwischen 10000 und 12000.

Werden Sie diese Trainingsumfänge noch steigern?

Axel Teichmann: Der Tag hat nur 24 Stunden. Es muss auch genügend Zeit zum Regenerieren bleiben. Nach meiner Bandscheibenoperation hoffe ich, das Training ab 1. Mai wieder voll aufnehmen zu können. Bis jetzt habe ich aber noch keinen Trainingsplan, unser Trainer ist zurzeit nämlich noch im Urlaub im Urwald von Venezuela.

Ein anderes Thema: Mitten in der Wintersportsaison hat die ARD in einem Beitrag die Effizienz des Doping-Kontrollsystem im deutschen Leistungssport angezweifelt. Zur Illustration wurden Aufnahmen vom jüngsten Biathlon-Weltcup in Oberhof gezeigt.

Sven Fischer: Der für diesen Beitrag verantwortliche Reporter saß zufällig im Flugzeug neben mir. Der hat mich nicht eine Silbe nach diesem Thema befragt. Der wollte seine Geschichte, und die fußte auch Nachlässigkeiten von zwei Junioren-Biathletinnen. Magdalena Neuner und Katrin Hitzer hatten vergessen, ihren Ortswechsel beim Training im finnischen Muunio rechtzeitig bei der NADA (Nationale Antidoping-Agentur d. Red.) anzugeben. Dieser Reporter braucht nie wieder zu mir zu kommen.

Sind die Doping-Kontrollen in Deutschland ausreichend, um sauberen Sport zu garantieren?

Axel Teichmann: Das System der NADA ist gut. Das ist für uns wie ein Leben im offenen Vollzug, denn es gibt immer jemanden in Deutschland, der genau weiß, wo du bist. Im Skilanglauf müssen die 50 Besten in der FIS-Rangliste täglich ihren Aufenthaltsort angeben, um für unangemeldete Kontrollen erreichbar zu sein. Bei Ortswechseln während eines Tages, muss ich mich auch mehrmals an einem Tag abmelden. Das bringt schon manchmal Probleme mit sich. Wenn ich vier oder fünf Stunden auf Klettertour bin, nehme ich nämlich kein Handy mit.

Sven Fischer: Über die bei mir vorgenommenen Dopingkontrollen führe ich seit Jahren einen Ordner. Der ist mittlerweile schon sehr dick. Im Schnitt werde ich alle 14 Tage einmal kontrolliert. Es gibt auf der Welt kein strengeres Kontrollsystem. Neben den Kontrollen durch die NADA müssen wir uns ja auch den Überprüfungen der WADA (Welt-Antidoping-Agentur d. Red.) stellen.

Bayern-Torwart Oliver Kahn ist jüngst bei der Dopingkontrolle ausgerastet. Ist das nachvollziehbar?

Sven Fischer: Das ist in keiner Weise nachvollziebar und entschuldbar. Kahn ist sich seiner Vorbildrolle für die Kinder und Jugendlichen gar nicht bewusst.

Axel Teichmann: In meiner Sportart wäre er dafür zwei Jahre gesperrt worden und nicht nur für ein Spiel.

Wird in Ihren Sportarten noch gedopt?

Sven Fischer: Leider ja, es sind ja Athleten überführt worden. Das können und wollen wir nicht verdrängen.

Besteht die Möglichkeit, dass Ihnen Dopingmittel durch Fremde in Ihre Getränke oder Ihr Essen verabreicht wird?

Axel Teichmann: Ich trinke grundsätzlich nur aus unangebrochenen Flaschen. Während des Wettkampfs oder beim Training lasse ich mir die Flaschen von den Betreuern oder Trainern reichen. Dennoch ist eine Manipulation der Getränke und des Essens theoretisch möglich.

Sven Fischer: Die Möglichkeit einer Manipulation durch Fremde besteht. Ich glaube noch immer, dass dies seinerzeit bei Thomas Oelsner gemacht wurde. Ich kenne ihn aus unserer Zeit an der Kinder- und Jugendsportschule sehr gut. Er hat nicht selbst gedopt.

Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich?

Axel Teichmann: Ja, aber die kaufe ich mir in der Apotheke. Bei diesen Produkten bin ich abgesichert, weil die Zusammensetzung der Mittel exakt angegeben ist.

Sie sind ein begeisterter Kletterer: Möchten Sie einmal einen 8000er besteigen?

Axel Teichmann: Nicht unbedingt, weil das Atmen in diesen Höhen nicht gut ist für das Immunsystem von Ausdauersportlern.

Würde Sie die Jagd, das Hobby von Sven Fischer, interessieren?

Axel Teichmann: Ich war schon einmal dabei, als Sven einen Bock geschossen hat. Ging alles sehr schnell. Ich bleibe lieber beim Klettern.

Sven, nachdem Ricco Groß seine sportliche Laufbahn beendet hat, ist die Heldentruppe von Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich weiter geschrumpft. Wird Ihr Trainer auch in der nächsten Saison noch auf Sie bauen können?

Sven Fischer: Die Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen. Auf alle Fälle werde ich am 1. Mai das Training genauso aufnehmen wie in all den Jahren zuvor. Selbst wenn ich die neue Saison nicht mehr als Aktiver angehen werde, muss ich weiter trainieren, um meinen Körper langsam umzustellen auf ein Leben ohne Leistungssport.

INTERVIEW: GERT HELLMANN

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Sven Fischer: „Leider wurde wieder gedopt.“
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Axel Teichmann: „Das ist wie im offenen Vollzug.“
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