Berlin - Der Ministerpräsidentenkandidat der Linken in Thüringen, Bodo Ramelow, beschäftigt in seinem Berliner Bundestagsbüro eine ehemalige Offizierin des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Die Mitarbeiterin war nach stz-Informationen 20 Jahre hauptamtlich für das MfS tätig und hat dort Karriere gemacht.
Ramelows Mitarbeiterin stieg im MfS vom Soldaten bis zum Hauptmann auf und war zuletzt Referatsleiterin. Noch im Februar 1989 ist sie mit der Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee in Silber ausgezeichnet worden. Eine Beurteilung aus dem Jahr 1988 bescheinigt ihr "ein festgefügtes Weltbild" und dass sie die Regeln der Konspiration und Geheimhaltung einhalte.
Sie war in der Hauptabteilung III Funkaufklärung, Funkabwehr des MfS beschäftigt. Diese Abteilung war für das Abhören von westdeutschen Bürgern und Spitzenpolitikern bis hinein in die Bundesregierung zuständig.
Laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel berichtete die Mitarbeiterin, Ramelow habe von ihrer früheren Tätigkeit im MfS gewusst. Für die Beschäftigung als Angestellte, die nicht überprüft werden, sei das wohl kein Problem. Die Stasi-Mitarbeiterin sei im MfS für Russisch-Übersetzungen zuständig gewesen.
Nach stz-Informationen hat Ramelow die Mitarbeiterin eingestellt, nachdem er 2005 als Bundestagsabgeordneter nach Berlin gewechselt ist. Sie arbeitet inzwischen seit mehreren Jahren für den Linke-Spitzenkandidaten bei der vergangenen Landtagswahl.
Ramelow hatte zuletzt im Frühjahr für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, als er sich in einem Interview mit der stz weigerte, die DDR als einen Unrechtsstaat zu bezeichnen. Auch in der Debatte um die beiden IMs auf der Liste der Linken für den Thüringer Landtag, Frank Kuschel und Ina Leukefeld, hat sich Ramelow stets hinter die ehemaligen IMs gestellt. Beim Listenparteitag der Linken in Arnstadt Ende März wurde Kuschel schließlich mit dem besten Ergebnis nach Ramelow gewählt.
Das IM-Umfeld Ramelows droht jetzt weiter zur Belastung für die Gespräche mit SPD und Grünen zu werden. In seinem Team, das mit der SPD die Möglichkeiten einer rot-roten Landesregierung sondiert, hat Ramelow auch Ina Leukefeld aufgenommen, die IM der politischen Abteilung der Kriminalpolizei war.
Auch die Grünen wollte Ramelow gerne in eine "grün-rot-rote" Koalition einbinden. Die wollen aber noch beraten, ob sie überhaupt in Sondierungsgesprächen eintreten. Grünen-Sprecherin Astrid Rothe-Beinlich hatte schon im Wahlkampf zu Ramelow erklärt: "Solange in seiner Partei Stasi-belastete Personen zentrale Positionen besetzen, können wir ihn nicht zum Ministerpräsidenten wählen."
Da war die Sache mit dem Stasi-Hauptmann in Ramelows Berliner Büro noch gar nicht bekannt.

Drucken
Speichern
Versenden













