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Ressort Thüringen
Erschienen am 18.05.2009 00:00
Ich kann Kanzler
"Ich habe jetzt schon gewonnen"
Antje Krug aus Kloster ist in der politischen Talentshow des ZDF im Finale

Das ZDF hat sich auf die Suche nach neuen politischen Talenten gemacht und junge Leute aufgefordert, zu erklären: Ich kann Kanzler. Tausende haben sich beworben, 40 blieben nach der ersten Auswahlrunde übrig - auch Antje Krug aus dem Bad Salzunger Stadtteil Kloster. Zwei Tage lang haben sich die 40 jungen Frauen und Männer jetzt am Wochenende in Bonn den Fragen der Jury - der Schauspielerin Anke Engelke, des Politikers Henning Scherf, des Moderators Günther Jauch - gestellt. Haben sich und ihre "Idee für Deutschland", präsentiert. Das Konzept für eine neue Familienpolitik, das Antje Krug, 31 Jahre alte Mutter von vier Kindern, umsetzen will, fand Gefallen. Die 31-jährige Restaurantfachfrau, die sich "Familienmanagerin" nennt, wird am 19. Juni in einer ZDF-Show in Berlin versuchen, gewählt zu werden. Dann muss sie live beweisen, dass sie besser geeignet ist als ihre fünf Mitbewerber, dass sie es am besten könnte: Kanzler. Antje Krug im stz-Gespräch über Ruhm und Rampenlicht, über die anderen Kandidaten und ihre Kinder:

Frau Krug, wie fühlt man sich nach einem weiteren Wahlsieg?

Ich hab's noch nicht ganz realisiert, noch gar nicht richtig wahrgenommen, aber ich bin ja gerade erst aus Bonn zurück. Als die Entscheidung verkündet wurde, hab ich mich gefühlt wie in Watte und war froh, dass jemand hinter mir stand. Ich glaube, ich wäre sonst umgefallen. Natürlich bin ich glücklich. Und ich habe in den beiden Tagen so tolle Menschen mit tollen Visionen kennengelernt, die es alle verdient hätten, ins Finale zu kommen.

Wie haben Sie es geschafft?

Wir mussten uns im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn der Jury stellen - uns vorstellen, unser Konzept erklären. Ich weiß gar nicht mehr, was für Fragen kamen, wir waren alle total aufgeregt, völlig cool schafft das niemand, wir hatten wohl alle ein bisschen Angst. Auch, weil wir wussten, dass Günther Jauch den "bad guy" geben würde und wir natürlich fürchteten, er könnte uns eine Falle stellen. Aber es war eine ganz tolle Jury. Und Günther Jauch hat gesagt, er habe mein Konzept gelesen und sei beeindruckt. Das hat mich stolz gemacht, dass er alle fünfzig Seiten, die ich über meine Vorstellung von Familienpolitik geschrieben habe, gelesen hat.

Keine Gegenargumente? Mussten Sie sich nicht verteidigen?

Es kamen schon Gegenargumente. Das Ganze dauerte eine gefühlte Minute, ich hab aber schon 15 oder 20 Minuten geredet. Ich bin mit meinem Konzept eins, das muss man auch sein. Erst wenn man mit seiner Idee verwachsen ist, kann man überzeugen. Mir hat man wohl die Leidenschaft angemerkt, als ich über die vielen Kinder gesprochen habe, die in absoluter Perspektivlosigkeit leben. Von Henning Scherf habe ich trotzdem ein Nein bekommen. Er hat gesagt, ich wäre eine gute Familienpolitikerin, aber für Kanzler reiche das nicht. Und man müsse auch sehr viel Stress aushalten können.

Was haben Sie ihm geantwortet?

Dass man mit vier Kindern stressresistent ist. Und dass auch Frau Merkel Berater hat für verschiedene Bereiche. Ich habe als Vorbereitung viele politische Bücher gelesen und etwas politisches Grundwissen war schon vorhanden. Aber Wissen ist sowieso nicht alles und ich wollte ja vor allem eine Plattform für meine Idee haben. Und weil ich mit Herzblut bei meiner Sache bin, habe ich die jetzt. Genau genommen, bin ich jetzt schon Gewinner.

Noch aber stehen Sie im Wettbewerb.

Ja, nächsten Samstag müssen wir sechs Finalisten nach Berlin - richtig Wahlkampf machen. Es wird ein professionelles Fotoshooting geben, es werden Wahlplakate gedruckt, jeder von uns bekommt einen Stand auf dem Alex.

Sie wollen ganz alleine einen Wahlkampf führen?

Ich bin nicht alleine. Drei der Kandidaten, die nicht mehr dabei sind, haben mir angeboten, mich zu unterstützen. Sie finden meine Idee toll. Jörg Steinert zum Beispiel kämpft für das Recht auf sexuelle Identität, für Gleichheit für Schwule und Lesben und für die Regenbogenfamilie. Ich finde es bewundernswert, wenn jemand sich so für eine Sache einsetzt. Und er hat gesagt, er möchte, dass ich weiterkomme. Jetzt sind wir ein Team - als Einzelkämpfer kann man in Deutschland nichts bewegen. Ich bin also stellvertretend für die, die mir ans Herz gewachsen sind, im Finale.

Was wird dort passieren?

Wir sechs werden mit unseren Ideen gegeneinander antreten. Aber wir verstehen uns gut, es gibt keinen Neid und keine Konkurrenz. Das Studiopublikum wird gecastet, es soll eine Mischung von Menschen aus allen Bevölkerungsschichten sein. Die wählen dann zwei Finalisten, über die letzten beiden bestimmt das Fernsehpublikum von zu Hause aus, über Telefonvoting, wie bei "Deutschland sucht den Superstar".

Wenn Sie gewinnen, werden Sie vielleicht auch ein Star.

Das weiß ich nicht. Ich hab diese Runde noch nicht realisiert. Für mich ist das schon ein großer Sieg, ich muss nicht mehr gewinnen. Ich denke, dass sich jetzt Leute melden werden, die meine Idee gut finden und mich bei der Umsetzung unterstützen werden.

Im Internet-Forum von "Ich kann Kanzler" hat der Landtagsabgeordnete Manfred Grob bereits signalisiert, dass er Ihre Idee gut findet. Fürchten Sie nicht, jetzt in den echten Wahlkampf gezogen zu werden?

Nein. Ich bin in keiner Partei und ich war in keiner Partei, ich werde mich jetzt vor keinen Karren spannen lassen. Die Idee ist meine Idee, das Konzept habe ich entwickelt, nicht ein Politiker. Das ist meins und bleibt auch meins.

Hilft Ihnen Ihr Selbstbewusstsein im Umgang mit den bösen Worten und Einträgen, die es im Internet inzwischen auch gibt?

Da stehe ich drüber. Politiker müssen mit Kritik umgehen können. Ich kann gut akzeptieren, dass andere Menschen eine andere Meinung haben. Die Einträge nehme ich nicht persönlich, ich denke, das wird jetzt noch viel schlimmer werden. Einer hat geschrieben, ich würde meine Kinder in die Sache mit reinziehen, einer hat geschrieben, ich würde meine Mutterrolle zu wenig betonen.

Werden Ihre Kinder in diese Geschichte hineingezogen?

Das ZDF wollte, dass ich sie am nächsten Wochenende mitbringe. Aber ich hatte von Anfang an gesagt: Das möchte ich nicht. Ich möchte nach meiner Person und Idee beurteilt werden - sonst nichts. Ich will weder den Mitleidsfaktor - so jung, so wenig Geld, vier Kinder - noch will ich mit ihnen Show machen. Ich bin stolz auf meine Kinder, aber ich will und werde sie dieser Geschichte nicht aussetzen.

Und es steht Ihnen kein bisschen der Sinn nach den berühmten 15 Minuten Ruhm?

Ich möchte auf keinen Fall Ruhm haben. Ich will eigentlich nicht einmal im Rampenlicht stehen und auch nicht im Mittelpunkt - das bin ich eher nicht. Ich will nicht mich profilieren, sondern meine Idee.

Interview: Maria-Theresia Wagner

www.kanzler.zdf.de

 
 

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