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Ressort Thüringen
Erschienen am 18.04.2009 00:00
Ich kann Kanzler
"Wenn man was ganz fest will, schafft man das"
Antje Krug aus Kloster hat es unter die letzten 40 Kandidaten für die politische Talentshow des ZDF geschafft - will sie Kanzlerin werden?

Kloster - Antje Krug, 31 Jahre alt, Restaurantfachfrau, stammt aus Möhra, lebt im Bad Salzunger Stadtteil Kloster. Sie hat sich für die

Antje_Krug006 Bild vergrößern
Hat ein Familienkonzept entwickelt und eine große Familie: Antje Krug mit ihren Kindern Fabian, Annalena, Kevin und Eric (v. l.).
Bild: Heiko Matz
politische Talentshow des ZDF beworben und ist inzwischen unter den letzten 40 Kandidaten. Ihre Bewerbungsvideos sind auf www.youtube.de zu sehen. Antje Krug erklärt im stz-Gespräch, warum sie denkt: "Ich kann Kanzler."

Frau Krug, wollen Sie Kanzlerin werden?

Ich bin Mama von vier Kindern und ich habe eine Idee für Deutschland. Eine Idee, die bisher immer an der Umsetzung gescheitert ist, aber als Pilotprojekt der Bundesregierung wäre sie ideal, hab ich mir überlegt. Aus Zufall habe ich von der Aktion "Ich kann Kanzler" erfahren und dachte: Das ist meine Chance. Eine Chance, meine Idee an die Öffentlichkeit zu tragen. Also hab ich mich sofort beworben, eine ZDF-Redakteurin hat mich angerufen, wir haben ein Telefoninterview geführt und ich sollte ein Video schicken. Was ein Problem war, weil ich gar nicht die Ausrüstung habe. Mein Bruder hat das aber hingekriegt und inzwischen war die Redakteurin auch schon hier und ich habe ihr meine Idee für Deutschland vorgestellt.

Wie sieht Ihre Idee aus?

Ich möchte sozial schwachen Familien eine neue Perspektive geben. Es regt mich immer auf, wenn ein Kind verwahrlost, ich bin schockiert, wie viele Kinder nicht einmal genug zu essen haben. Es gibt zu viel Verwahrlosung, Misshandlung, vieles geht mit der Arbeitslosigkeit einher. Ich schöpfe Kraft aus meinen Kindern, aber ich weiß, dass manche Leute ihre Kinder auch als Blitzableiter missbrauchen. Ich denke an ein Zentrum, irgendwo in der Natur, eine Möglichkeit, die Leute aus ihrem Umfeld herauszuholen, einen Anlaufpunkt. Es ist ein All-in-one-Projekt - das Angebot umfasst Therapie und Hilfe, Bewerber- und Motivationstraining, Kochkurse und die Möglichkeit, Erziehung grundlegend zu lernen. Gedacht ist das Konzept für Leute, die resigniert und sich aufgegeben haben.

Ob diese Menschen freiwillig in so ein Zentrum kommen?

Das ist ein Problem, ja. Freiwillig wäre besser - aber wenn man sich überlegt, wie viele Kinder in Deutschland jeden Tag in Obhut genommen werden? Der Staat ist verpflichtet, Familien und Kinder zu schützen. Jetzt werden die Kinder aus der Familie geholt, in Pflegefamilien gebracht und irgendwann kommen sie zurück und der Kreislauf geht wieder von vorne los. Im Zentrum könnten die Familien lernen, selbst zurechtzukommen, sich wieder verselbstständigen.

Haben Sie schon mal versucht, Ihr Konzept vor Ort und auf weniger spektakuläre Weise zu realisieren?

Ja, meine Idee für Deutschland habe ich ja schon länger, seit drei Jahren arbeite ich daran. Anfangs habe ich mal an Frau von der Leyen geschrieben, dass ich die idealen Voraussetzungen für was Soziales mitbringe. Die Antwort war, ich hätte nicht genug Qualifikationen - die dachten wohl, ich suche einen Job, aber ich wollte nur das Konzept vorstellen. Dann habe ich an Dieter Althaus geschrieben, dass ich was für sozial schwache Familien tun möchte und bin von seiner persönlichen Referentin eingeladen worden. Im Sommer 2007 bin ich nach Erfurt gefahren, als ich grade da war, wurde ich angerufen, sie hätten einen wichtigeren Termin. Ich bin trotzdem hin - und sollte dann auch ein Konzept erstellen, damals ging es auch um Schloss Wilhelmsthal als Objekt. Aber irgendwie ist das nicht gut gelaufen, ich hab mich ein bisschen ausgetrickst gefühlt - man hat mir quasi eine Anstellung zugesagt und irgendwann 100 Euro überwiesen. In der Zeit habe ich gelesen, dass der Ministerpräsident eine Party für einen Minister gegeben hat - aber mich konnten sie nicht entlohnen, das fand ich eine Frechheit. Danach hab ich den SPD-Politiker Heiko Gentzel angerufen, bin auf ein politisches Frühstück gegangen und hab Dieter Althaus damit konfrontiert. Na ja. Danach wollte ich meine Idee anders umsetzen. Ich habe Thomas Sonnenburg, der auf RTL die Sendung "Die Ausreißer" macht, kontaktiert. Er hat gleich zurückgeschrieben, wir haben uns getroffen und inhaltlich an meinem Konzept gearbeitet. Thomas Sonnenburg ist jetzt auch mein Pate für "Ich kann Kanzler".

Ein Kanzler muss aber mehr können als Familienpolitik.

Ja, aber es wurde dazu aufgerufen, eine Idee für Deutschland zu entwickeln. Und ich bin der Meinung, dass Kinder unsere Zukunft sind. Es kann nicht sein, dass schon in der Grundschule eine soziale Auswahl getroffen wird - du hast arme Eltern, du kannst nicht aufs Gymnasium. Mein Wahlslogan ist: "Familie - DIE Perspektive für die Zukunft". Es muss etwas passieren in der Politik.

Politikverdrossen sind Sie also nicht - beschäftigen Sie sich mit Politik?

Mit Fachfragen kenne ich mich nicht aus, ich hatte mich immer nur im Groben mit Politik beschäftigt. Jetzt natürlich mehr, ich hab mir ganz viel Literatur besorgt und geübt, jetzt weiß ich mehr. Politikverdrossen bin ich nicht, wirklich nicht. In einer Partei bin ich nicht, aber ich gehe immer wählen. "Ich kann Kanzler" sehe ich als eine Chance. Mir geht's nicht darum, mal eine große Politikerin zu werden. Aber im Moment seh ich das schon so, dass wir mehr regiert werden, als dass wir mitbestimmen. Dass viele Leute nicht wählen gehen, liegt auch daran, dass jeder seine Slogans auf Plakate druckt und nichts davon gehalten wird.

Gibt es keine Politiker, die Sie beeindrucken? Das ZDF verweist für die Aktion ja auch auf Barack Obama, der viele Menschen wieder davon überzeugt, dass vieles möglich ist.

Ich finde Helmut Schmidt super, der ist so direkt und ehrlich. Und Barack Obama - wenn man sich mal überlegt, wie viele Leute ihm in Berlin zugejubelt haben, als er noch gar nicht Präsident war. Wenn Frau Merkel auftritt, passiert das nicht. Barack Obama hat Visionen und will sie umsetzen. Das braucht man. Und dass er so mitreißen kann, find ich schon Wahnsinn.

Um in die Live-Show zu kommen, müssen Sie es auch schaffen, die Leute mitzureißen. Wie ernst nehmen Sie "Ich kann Kanzler"?

Mir geht's nur um mein Konzept, meine Idee, nicht um die Show. Es muss Leute geben, die die Familienpolitik für ebenso dringlich halten wie ich. Aber wenn man keine Verbindungen hat, gestaltet sich so ein Projekt sehr schwierig. Aber ich bin davon überzeugt, wenn man was ganz fest will, schafft man das auch.

Sind Sie schon einmal öffentlich aufgetreten?

Nur auf dem Kirchentag in Erfurt, vor Jahren, mit den Little Luthers. Aber ein Auftritt im Fernsehen schreckt mich nicht.

Und wenn Sie jetzt wirklich vor der Frage stünden - würden Sie Kanzlerin werden wollen?

Ernsthaft? Nein, die Verantwortung wäre mir dann doch zu groß. Und ich will ja auch meine Kinder groß werden sehen. Also nein, Kanzlerin würde ich nicht werden wollen. Aber vielleicht Familienministerin.

Interview: Maria-Theresia Wagner

 
 

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