Südthüringer Zeitung

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Ressort Schmalkalden
Erschienen am 16.07.2010 00:00
Sommertour
Aus eigener Kraft viel erreicht
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Klaus Wagner, Patrick Kurth und Erich Bahner (v. l.) im Gespräch in der Nageno. Foto: Erik Hande
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Steinbach-Hallenberg - Vor Ort wollte er sich über die aktuelle wirtschaftliche Lage heimischer Betriebe informieren. Anregungen, aber auch Kritiken an die Politik nahm er von seiner Stippvisite gern mit. Und davon gab es etliche. Den jungen FDP-Politiker hatte der Gewerbeverein Steinbach-Hallenberg eingeladen. Zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Eberhard Usbeck und Klaus Wagner erläuterte Vorsitzender Erich Bahner dem Gast zunächst die Wirtschaftsstruktur im Haselgrund. Die baut auf überwiegend kleinen und einigen mittelständischen Unternehmen auf, erfuhr Patrick Kurth.

Natürlich wurde der FDP-Politiker in der Diskussion mit vielen alltäglichen, aber auch etlichen spezifischen, Problemen in den Unternehmen konfrontiert. In Betrieben wie der Steinbach-Hallenberger Maler GmbH, der Firma Hehnke GmbH & Co KG, dem Möbelhaus König oder der Preiss Metallwaren GmbH interessierte er sich ausführlich für die angebotenen Leistungen und Produkte.

Besonders fragte er gelungene Geschäftsmodelle, aber auch Konzepte mit weniger Erfolg nach. Bei Letzteren wollte er zudem sehr genau die Ursachen wissen. Waren politische Rahmenbedingungen für das Scheitern verantwortlich und wenn ja, was muss die Politik verändern, um Firmen ein gutes Umfeld bieten zu können. In der Kästner Präzisionswerkzeuge GmbH und der Nagelschmiede Nageno wurden die Probleme ebenso konkret benannt, wie in den Gesprächen bei den anderen Betrieben zuvor. Einige Themen wiederholten sich, da sie von genereller Bedeutung für die Firmen sind.

Klar sprachen sich Unternehmer zum Beispiel gegen den Mindestlohn aus. Immerhin kommen die meisten Aufträge für heimische Firmen aus dem Westen des Landes von Betrieben, die das West-Ost-Lohngefälle ausnutzen. Gäbe es einen Mindestlohn, würden Aufträge nicht mehr nach Sachsen oder Thüringen vergeben, heimische Firmen müssten weniger produzieren, Personalabbau wäre die Folge - lautete die Kritik. "Es sei denn, man schreibt einen Mindestlohn wie in Polen vor, der beträgt dort 1,60 Euro", meinte Patrick Kuhrt zum strittigen Thema. Damit meinte er die Herausforderung, sachlich darüber zu befinden ob und wann ein Mindestlohn sinnvoll ist, der Unternehmen und Beschäftigten zugleich nutzen muss. Fakt sei, dass Thüringen durchschnittlich die geringsten Löhne zahlt, zugleich aber bundesweit über die höchsten Lohnnebenkosten verfügt. Mehr Netto vom Brutto sei erstrebenswert, stellte der FDP-Politiker unter anderem fest.

Ein anderes Problem zog sich ebenso wie ein roter Faden durch das Treffen mit den Unternehmern - die sogenannte Kreditklemme. Auch Firmen im Haselgrund sind nach der, mit viel Kraft und etlichen Verlusten, bewältigten Wirtschaftskrise bei nun notwendigen Investitionen auf Darlehen der Banken angewiesen. "Doch die verlangen derzeit vierfache Sicherheiten", erklärte ein Unternehmer. Solche können sich hiesige Betriebe aber nicht leisten. Selbst eine zusätzliche 50-prozentige Bürgschaft von Land und Bund reiche einer Bank nicht aus, welche die anzuschaffenden Investitionsgüter ohnehin abgetreten bekommt, erklärte der Unternehmer.

In einem anderen Fall hatte ein Betrieb in den vergangenen Jahren Maschinen im Wert von 500 000 Euro angeschafft und war dabei auf solche Probleme gestoßen, dass die zugesagte Finanzierung plötzlich nicht ausgereicht wurde. Die Maschine aber stand bereits auf dem Firmenhof. Patrick Kuhrt konnte den Gesprächen entnehmen, dass die Betriebe sehr wohl das Sicherheitsbestreben der Geldinstitute verstehen, aber die drei- und vierfache Absicherung der Investitionen für unrealistisch halten, weil sie von den Unternehmen ohnehin nicht geleistet werden können. Außerdem kam die immer teurere Materialbeschaffung zum Gespräch. Der Spekulationshandel mit Rohstoffen an den Börsen gehöre verboten, meinte zum Beispiel Nageno-Geschäftsführer Klaus Wagner. Allein durch diese Spekulation werde Material künstlich verknappt und verteuert, nur weil es quasi Wetten auf den Preis gibt.

"Ich bin beeindruckt, wie ein kleiner Ort solch einen starken Gewerbe- und Industriestandort aufbauen konnte, da ist vieles von dem ,was wir in Thüringen schaffen wollen, schon erreicht", würdigte Patrick Kurth. Und so nahm er viele Anregungen für die Politik in Erfurt und Berlin mit. Daran haben Kommunalpolitik, Firmen und Beschäftigte gemeinsam Anteil, würdigte Erich Bahner namens des Gewerbevereins. eh



 
 

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