Hermannsfeld - In ihrem aktuellen Rundbrief hatten die Lilienbeckers, Pächter von Jagdschloss Fasanerie zu Hermannsfeld, ihren
![]() |
|
|
|
||
"Wie Sie ja wissen, haben wir uns bei der Gemeinde im letzten Jahr mehrfach um die Verlängerung unseres Pachtvertrages, der Ende Oktober 2010 ausläuft, bemüht", schrieb das Gaststätten-Ehepaar seinen Gästen. "Leider hatte die Gemeinde uns keine eindeutige und verlässliche Antwort ... gegeben. Am 8. Januar kam dann ein Brief, in dem es darum ging, dass man sich nicht mit unseren Pflegekatzen einverstanden erklärt ... In diesem Brief stand, es wäre ja schließlich nicht unser Schloss. Stimmt, haben wir uns gesagt, es ist schließlich nicht unser Schloss. Warum sollen wir uns hier krummbuckeln, um diese horrenden Neben- und Betriebskosten zu erwirtschaften?", heißt es im Rundbrief weiter.
Schließlich geben Ulrike und Jens Lilienbecker noch einen Ausblick: "Wir verraten nur so viel: Ein tolles Haus, im Grabfeld, also nicht so weit weg, keine Gaststätte mehr, aber ein idealer Standort für alle unsere Pläne. Und es gehört dann uns."
Die Rhönblick-Gemeinde bekam bisher noch keine solche offizielle Information. Bürgermeister Dellfried Steppa zeigte sich insofern überrascht. Man habe auch offiziell über die Absichten der Gemeinde informiert, somit hätten die Pächter ebenso ihre Pläne mitteilen können, findet der Gemeindechef. Auch beschreibt er den Sachverhalt ein wenig anders als das Pächterehepaar.
"Luxusleben"
Im Herbst und ein weiteres Mal am 16. Dezember war über die Lilienbeckers und das Schloss Fasanerie in bunten Illustrierten berichtet worden. Allerdings ging es dabei weniger um das Ausflugsziel, als um die Katzen, die hier für den Verein Katzenherzen betreut und von "Flugpaten" aus Spanien geholt werden. Von einem "Paradies für Findelkatzen" und deren "Luxusleben auf Schloss Fasanerie" war dort zu lesen und von Ulrike (Lilienbecker), die den Kätzchen "Liebe, Geborgenheit und die nötige Pflege in ihrem Jagdschloss in der Rhön" gibt.
Jene Artikel waren der Rhönblick-Gemeinde zugesandt worden, wo man die Sache recht merkwürdig fand. Die erste Veröffentlichung bot zunächst im Herbst Anlass für den neugewählten Hermannsfelder Ortschaftsrat, der sich sowieso mal im Jagdschloss umschauen wollte, für einen Ortstermin. Im Ortschaftsrat war man danach geteilter Meinung, wie man die Situation einzuschätzen hat.
Schloss gemeindeeigen
Rhönblick-Bürgermeister Dellfried Steppa findet das Ganze schon etwas "eigenartig". In der Haustür sei beispielsweise eine Katzenklappe eingebaut worden. Nun steht der Gemeindechef eigentlich nicht im Verdacht, Katzen nicht zu mögen. "Wir haben selbst zwei daheim", erwähnt er. Doch eine Katzenpflegestation ausgerechnet im Schloss Fasanerie zu betreiben, hält er für fragwürdig. So bekamen die Lilienbeckers, nachdem im Dezember ein zweiter Artikel in der Zeitschrift "Mini" erschienen war, Anfang Januar ein Schreiben des gemeindlichen Ordnungsamtes.
Darin hieß es: "Im Ordnungsamt der Gemeinde Rhönblick liegt ein Zeitungsartikel vor, der das Luxusleben von Findelkatzen auf Ihrem Jagdschloss Fasanerie in Hermannsfeld beschreibt. Damit können wir uns nicht einverstanden erklären, da es sich nicht um Ihr Schloss, sondern um ein gemeindeeigenes Gebäude handelt und nicht als Pflegestelle für Katzen genutzt werden kann." Die gewünschte schriftliche Stellungnahme der Lilienbeckers folgte sofort am 8. Januar. Ulrike Lilienbecker erklärte darin, das Gespräch mit jener Journalistin sehr bereut zu haben. "Mir war nicht klar, welcher Wirbel damit verursacht wird. Und welche Unwahrheiten hier verbreitet werden. Es handelt sich um Regenbogenpresse und da wird nun mal dick aufgetragen." Sie habe dem Verein Katzenherzen etwas Gutes tun wollen.
"Ich kann Ihnen versichern, dass ich hier kein Tierheim aufgebaut habe und das auch nicht beabsichtige. Wir betreiben hier eine Gaststätte, wohnen hier und haben unsere Büros hier. ... Es ist nicht unser Schloss und das habe ich auch nie behauptet." Der Ortschaftsrat habe bei seinem Besuch keine Beanstandungen gehabt. Dennoch sei man nun dabei, sich nach einer Alternative umzusehen. Auf die beiden Schreiben zur Verlängerung des Pachtvertrages habe es keine Reaktion der Gemeinde gegeben. "Wir aber brauchen Planungssicherheit, auch für unsere Mitarbeiter."
Neue Ausschreibung
Diese Reaktion kam dann am 14. Januar: Dellfried Steppa informierte das Ehepaar, "dass wir die Betreibung des Jagdschlosses Fasanerie im Jahr 2010 neu ausschreiben werden". Dass die Lilienbeckers bereits am 28. Januar in ihrem Rundbrief vollendete Tatsachen verkünden, überraschte ihn dennoch. "Sie hätten sich ja bei der Ausschreibung wieder mit bewerben können." Allerdings hätten ihre Chancen dann wohl nicht zum Besten gestanden. Der Pachtvertrag habe eine Verlängerungsoption gehabt, der Vertrag sei aber auch schon mal verlängert worden, wies Steppa hin. "Wir wollen uns auch mal nach anderen Bewerbern umsehen, um die Fasanerie wieder attraktiver zu machen", begründet er die Entscheidung, neu auszuschreiben.
"Anfangs lief's ja ganz gut, aber im Laufe der Zeit gab es Unmengen an Beschwerden - von Hermannsfeldern und Auswärtigen", weiß der Bürgermeister. Das habe nicht nur damit zu tun, dass die Gaststätte wochentags, bis auf Freitag, ohnehin geschlossen sei. "Es ist natürlich schwierig für eine Ausflugsgaststätte", räumt der Gemeindechef ein. Bemängelt worden aber sei wiederholt die gastronomische Betreuung.
Die Vorwürfe der Lilienbeckers an die Gemeinde weist Steppa zurück: "Ihr Engagement in der Fasanerie ist doch nicht behindert worden. Von wem denn? Und außerdem zahlen sie eine äußerst günstige Miete für das Objekt. Betriebskosten hat jede Kneipe. Wenn sie mehr Einnahmen brauchen, müssen sie öfter aufmachen", meint er. "Wir müssen jetzt mal sehen, was andere Interessenten für Vorstellungen haben. Alle, die gute Ideen haben und wissen, wie sie sie umsetzen können, sind herzlich willkommen. Es ist aber angebracht, dass das Jagdschloss weiterhin eine Ausflugsgaststätte bleibt, weil es einfach eine wunderschöne Ecke ist." any










