Geisa/Rasdorf - "Freiheit ist ein Privileg, das mit Pflichten bezahlt werden muss, um sie zu erhalten", sagte Bundestagspräsident Prof. Dr.
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Lammert ermahnte die Deutschen, die Erinnerungen an die Geschehnisse in der ehemaligen DDR wachzuhalten. "Die Einheit muss auch weiterhin wachsen. Das kann sie nur auf dem Boden der Erinnerung", betonte der Bundestagspräsident. Umfragen unter Jugendlichen im Osten und im Westen der Bundesrepublik spiegeln wider, wie niedrig der Kenntnisstand über die jüngere Geschichte sei. "Fünf Prozent der deutschen Gymnasiasten sind der Meinung, dass der ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht ein oppositioneller Liedermacher war. Sieben Prozent glaubten, dass sein Nachfolger Erich Honecker ehemaliger Bundeskanzler war", nannte er Beispiele aus der Studie. "Das ist nicht witzig, sondern sehr ernüchternd", kommentierte er. Je niedriger der Kenntnisstand über die jüngere deutsche Geschichte sei, umso höher die Neigung, die DDR zu verklären. Auch das ergab die Studie. Ziel der Point Alpha Stiftung sei nicht nur, dieser Neigung zur Verklärung entgegenzuwirken, sondern auch die historischen Zusammenhänge offenzulegen und präsent zu halten.
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sprach über die Verantwortung, geschichtsträchtige Orte wie Point Alpha zu bewahren. "Bürgerschaftliches Engagement ermöglichte, dass dieser Ort erhalten blieb - als Gedenkstätte und Lernort der Geschichte - welche sich nun mit der Stiftung in Zukunft weiterentwickeln kann", sagte er. Point Alpha sei ein Ort, wo nicht nur Geschichte bewahrt, sondern auch Zukunft gestaltet wird. Durch den "Weg der Hoffnung" und die Ausstellung "Freiheiten!" werde der Geschichts-Lernort noch reicher und vielfältiger, betonte der Ministerpräsident.
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"Es gibt Geschichten und Orte, über die niemals Gras wachsen darf. Point Alpha ist ein solcher Ort", betonte Dr. Wolfgang Hamberger, Point-Alpha-Stiftungsratsvorsitzender. Er erzählte die Vorgeschichte des "Weges der Hoffnung": Im Frühjahr 2006 hatte der damalige Buttlarer Pfarrer Jan Karol Kozaczka gesagt: "Diese Grenze ist ein Kreuzweg." Bei zwei Menschen sei diese Aussage auf fruchtbaren Boden gefallen: Stiftungsrats-Vize Berthold Dücker und Geisas Stadtpfarrer Uwe Hahner. Sie entwickelten die Idee, an der ehemaligen Grenze einen Kreuzweg zu installieren. Ein erster Förderantrag scheiterte. Ende 2008, als über Gedenk-Projekte im "Jahr der Demokratie" 2009 nachgedacht wurde, griffen sie diese Idee wieder auf, fanden Unterstützung bei Uta Thofern, Direktorin der Point Alpha Stiftung, sowie dem Stiftungsrat. Doch auch beim Thüringer Kultusministerium und der Bundesregierung, welche die Projekte mit jeweils 200 000 Euro förderten. Mit dem in Schlitz lebenden Bildhauer Dr. Ulrich Barnickel, der aus der DDR stammt und nach einem Ausreiseantrag 1985 ausgebürgert wurde, fand man zudem einen Künstler, der den "Weg der Hoffnung" Realität werden lässt. Am Festakt in der Fahrzeughalle im hessischen Teil der Gedenkstätte nahmen unter anderem auch der hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann, der Thüringer Umweltstaatssekretär Stefan Baldus (beide CDU), der Fuldaer Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez, Wolfgang Nossen (Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen), Bundestagsabgeordneter Michael Brandt (CDU), der thüringische Landtagsabgeordnete Manfred Grob (CDU), Wartburgkreis-Landrat Reinhard Krebs (CDU), der Geisaer Ehrenbürger Werner Deschauer, Geisas Bürgermeister Martin Henkel und sein Rasdorfer Amtskollege Berthold Körbel (beide CDU) teil. Das Posaunenquartett der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main sorgte für den musikalischen Rahmen.
Norbert Lammert eröffnete anschließend die Ausstellung "Freiheiten!" im Haus auf der Grenze, indem er die Multivisionsschau per Knopfdruck in Gang setzte. Zitate zum Thema Freiheit aus allen Epochen der Geschichte laden in weißer Schrift auf schwarzen Wänden zum Nachdenken ein. Mittelpunkt ist ein Wohnzimmer - mit bequemen Sitzpolstern und ein paar DDR-Möbeln. Sie laden ein, multimediale Zitate aus der Zeit der friedlichen Revolution zu erleben. "Wir wollen für die Menschen einen Raum schaffen, wo sie ins Gespräch kommen", sagte Professor Hanno Sowade vom "Haus der Geschichte" in Bonn, der die Ausstellung wissenschaftlich begleitet. Die Besucher sollen animiert werden, die Diskussion über Freiheit fortzusetzen. Der gestaltete "private Raum" erinnert zudem daran, dass er zu DDR-Zeiten Diskussionsraum und Ersatz für die fehlende öffentliche Sphäre der Diktatur war. Die Multivision aus dem Originalmaterial konzipierte und gestaltete die Journalistin und Ausstellungsmacherin Dr. Bettina Leder-Hindemith. Das Berliner Büro für Themengestaltung id3d realisierte die Ausstellung. In einigen Vitrinen sind zudem Objekte, Fotos und Dokumente aus Zeiten der SED-Diktatur ausgestellt.
Hinter dem Haus auf der Grenze beginnt der "Weg der Hoffnung". Die ersten beiden Skulpturengruppen ("Willkür" und "Gewalt") wurden gestern eingeweiht. Zwölf weitere sollen schrittweise bis zum 3. Oktober 2010 folgen. Ulrich Barnickel verarbeitet in dem Kreuzweg auch seine eigenen Erfahrungen. Dabei ist ihm wichtig, dass die Skulpturen dem Betrachter eigene Interpretationen ermöglichen sollen. sach



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