Geisa – Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU)
Stiftungsratsvorsitzender Dr. Wolfgang Hamberger verglich die Entwicklung der Point Alpha Stiftung mit einem alpinen Bergaufstieg. Wenn man den Gipfel erreicht habe, seien alle Gefahren, Mühen und Strapazen des Aufstiegs vergessen, und es zähle nur noch das Gipfelerlebnis. „Und dieser Tag ist ein Gipfelerlebnis“, betonte Hamberger. In seiner Amtszeit als Fuldaer Oberbürgermeister war Hamberger vor 1990 oft zu Gast im damaligen US-Camp Point Alpha und habe voller Schmerz auf die Dächer von Geisa geblickt, die damals für ihn unerreichbar waren. Er sei sich sicher gewesen, dass die Geschichte und die Menschen diese Teilung eines Tages überwinden würden. Allerdings glaubte er nicht, dass er dies selbst noch erleben würde. Voller Freude und Dankbarkeit erlebte er deshalb im Herbst 1989 den Fall der Grenze. Aus diesem Grund sei er ein „Überzeugungstäter“, was die Gedenkstätte Point Alpha angeht.
Geisas Bürgermeister Martin Henkel (CDU) erzählte die Geschichte der Schlosssanierung binnen weniger Monate – mit Hilfe von Landesfördermitteln und der großzügigen Unterstützung von Anneliese Deschauer, die den Eigenanteil der Stadt finanzierte. Dieter Althaus habe von Zeit zu Zeit den Fortgang der Bauarbeiten selbst in Augenschein genommen. „So stelle ich mir einen Ministerpräsidenten vor“, meinte Henkel. Das Schloss sei wieder die „gute Stube“ der Stadt Geisa geworden und Sitz der Point Alpha Stiftung. Der Bürgermeister erinnerte an Point Alpha als einstigen Konfrontationspunkt von NATO und Warschauer Pakt. Die Gedenkstätte, welche an dieses Kapitel Geschichte eindrucksvoll erinnert, sei durch die Stiftung nun gesichert.
„Die Trennung und Teilung sind eine schmerzliche Erfahrung unserer Geschichte, die wir ständig im Gedächtnis behalten müssen“, sagte Ministerpräsident Dieter Althaus. Nirgendwo sei die militärische Konfrontation und die lang anhaltende Gefahr eines dritten Weltkriegs so groß wie in Point Alpha gewesen. „Er ist deshalb ein besonderer Lernort, wo vor allem Schülerinnen und Schüler hautnah erleben können, mit welchem ideologischen Wahnsinn einst Mauer und Stacheldraht begründet wurden“, sagte der Ministerpräsident. „Diese Wunden der Vergangenheit will die Point Alpha Stiftung aufarbeiten, um damit nachhaltig Frieden und Freiheit im wiedervereinten Deutschland und im geeinten Deutschland zu sichern“, erklärte Althaus.
Die Gründungsstifter der mit insgesamt 9,2 Millionen Euro ausgestatteten Stiftung sind die Länder Thüringen und Hessen, Wartburgkreis und Landkreis Fulda, Stadt Geisa und Gemeinde Rasdorf sowie die beiden Trägervereine der Gedenkstätte Point Alpha. Der Bund wolle die Stiftung mit 30 000 Euro unterstützen und prüfe die Übertragung des noch in Bundeseigentum befindlichen US-Camp-Geländes auf hessischer Seite an die Stiftung, war gestern auf Nachfrage vom hessischen Finanzstaatssekretär Dr. Walter Arnold (CDU) zu erfahren. Arnold kündigte ferner an, dass auch aus Hessen ein Lehrer für die Arbeit mit Schülern in der Gedenkstätte zur Verfügung gestellt werden soll. Ein Lehrer des Gymnasiums Vacha ist dort bereits tageweise tätig.
Die Debatte über die Geschichte sei eine politische Debatte, und sie müsse die Menschen erreichen, erklärte Roland Koch. „Sie entwickelt sich sehr schnell zu einer Diskussion, wobei gesagt wird: Vergesst sie doch im Vergleich zu den aktuellen Problemen.“ Der Ministerpräsident warnte davor und nannte als Beispiele des Erlebens „kurz nach der Wende“ seine 21 und 22 Jahre alten Söhne. „Es ist nicht leicht, ihnen begreifbar zu machen, warum noch kurz zuvor ihr Vater immer das Flugzeug statt die Transitstrecke nahm, um nach West-Berlin zu gelangen, was es für die Bürger der DDR bedeutet hatte, manche Bücher zu lesen.“ Dies zu erklären, brauche Bilder. Und Point Alpha schaffe solche Bilder, betonte der Ministerpräsident. Deshalb müsse er erhalten werden. Wichtig sei, dass es gelingt, junge Menschen mitzunehmen, sie auch ein Stück erschaudern zu lassen, um sie begreifen zu lassen, worum es geht; zu versuchen, die „Hülle der Coolness unserer Zeit“ zu knacken. Die Stiftung bezeichnete Koch als „Rahmen, der nun mit bunten Strichen gefüllt“ werden müsse.
Uta Thofern erinnerte an den 19. August 1991, ein sonniger Morgen, als sie in der Berliner RIAS-Redaktion saß und plötzlich eine Meldung einging: „Gorbatschow gestürzt!“ Das war zehn Monate nach dem Vollzug der deutschen Einheit, noch immer waren mehr als 300 000 sowjetische Soldaten im DDR-Gebiet stationiert. Die Stiftungsdirektorin machte deutlich, wie schmal dieses Zeitfenster war, die deutsche Einheit wiederzuerlangen. „An diesem Augusttag wurde mir bewusst, dass die Geschichte auch anders hätte verlaufen können, dass die deutsche Einheit und auch unsere Demokratie keine Selbstverständlichkeit sind.“
Alle Redner lobten die bislang geleistete Arbeit für die Gedenkstätte Point Alpha und den Aufbau der Stiftung und würdigten insbesondere die Verdienste von Berthold Dücker (Stiftungsratsvize und Vorsitzender des Fördervereins), ohne dessen unermüdliches Engagement all dies nicht möglich geworden wäre. Die Ministerpräsidenten, Wolfgang Hamberger und Berthold Dücker beglückwünschten Uta Thofern als neue Stiftungsdirektorin und wünschten ihr viel Erfolg.
Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Institutionen nahmen am Festakt im Saal des Barockschlosses teil, unter ihnen auch der Bundestagsabgeordnete Michael Brand, die Landtagsabgeordnete Margarete Ziegler-Raschdorf (beide CDU), Wartburgkreis-Landrat Reinhard Krebs (parteilos, für CDU), Hildigund Neubert (Thüringer Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen) sowie Anneliese und Werner Deschauer. Das Quartett der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar umrahmte den Festakt musikalisch. sach



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