GEISA – „470 000 Euro sind eine stattliche Summe. Städtebaufinanzierung bedeutet jedoch, dass sie zu je einem Drittel von Bund, Land und Kommune getragen wird“, erläuterte Andreas Trautvetter. Den Eigenanteil der Stadt Geisa übernimmt die Deschauer-Stiftung. Sowohl der Minister als auch Bürgermeister Henkel würdigten das Engagement des gebürtigen Geisaers Werner Deschauer und seiner Ehefrau Anneliese. Aus Bochum waren sie gestern zum Übergabetermin angereist. Viele Gespräche habe es im Vorfeld gegeben, auch über die Idee, den Eigenanteil der Stadt über die Stiftung zu finanzieren, sagte Trautvetter. Solche Lösungen werde es künftig immer häufiger geben, ist er sich sicher. Gleichzeitig begrüßte er das Vorhaben der Stadt, die von den Vorvätern geschaffenen Baudenkmäler zu sanieren. Solche „weichen Standortfaktoren“ würden im künftigen Wettbewerb der Regionen eine immer größere Rolle spielen.
An der Übergabe vor Ort im Schlossgebäude nahmen unter anderem das Kuratorium der Deschauer-Stiftung sowie Zarghona Naim, Referentin für Städtebauförderung im Thüringer Landesverwaltungsamt, teil. Martin Henkel kündigte an, dass das Schlossgebäude künftig vorrangig kulturell genutzt werden soll. Unter dem Arbeitstitel „Kultur- und Begegnungsstätte Schloss“ gebe es schon einige gute Ideen, die derzeit im Gespräch sind. Ausstellungen und Konzerte könnten zum Beispiel im Schloss bzw. auf dem Vorplatz stattfinden.
Der erste Bauabschnitt beinhaltet jedoch Arbeiten am Gebäudeäußeren. So werden die Fassade, die Fenster und das Dach erneuert. Zugemauerte Fensteröffnungen werden geöffnet und wieder mit Fenstern bestückt. Zudem wird der Schlossplatz mit Granit gepflastert. Wenn alles gut geht, werden die Arbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen und 2008 kann sich die Innensanierung anschließen. Bauplaner Wilhelm Heumüller stellte bei einem Rundgang das Gebäude und die Sanierungspläne vor. Das Mauerwerk sei völlig in Ordnung, lediglich der Putz müsse erneuert werden. Beeindruckt waren alle vom guten Zustand des Gewölbekellers. Völlig umstrukturiert werden soll hingegen das Treppenhaus – jedoch auch erst im zweiten Bauabschnitt und in Abstimmung mit der Denkmalbehörde.
Wenn in den nächsten Monaten der Schlossplatz neu gestaltet wird, kommen im Zuge der Arbeiten Leitungen für eine künftige Fernwärmeversorgung unter die Erde, kündigte Bürgermeister Henkel an. Sechs kommunale Gebäude stehen relativ dicht beieinander, zum Beispiel Rathaus, das gegenüberliegende Verwaltungsgebäude, Schloss und Amtsgericht. Perspektivisch soll es im Keller des Rathauses eine große Heizungsanlage geben, welche die anderen Gebäude mit versorgt.
„Wir freuen uns, dass Minister Trautvetter heute den Förderbescheid übergibt. Nun kann es losgehen“, meinte Werner Deschauer. Als Deschauer im vergangenen Jahr in Erfurt mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde und man anschließend noch zusammensaß, kam das Gespräch auf die notwendige Schlosssanierung und die fehlenden Eigenmittel der Stadt Geisa. Anneliese Deschauer hatte spontan vorgeschlagen, dass doch die Stiftung diesen Part übernehmen könne, und der Stein kam ins Rollen. „Wir freuen uns, dass es jetzt losgeht und werden sicher in einem Jahr schon viel sehen können“, meinte Werner Deschauer. „Wir wollen erreichen, dass Fremde, die in die Stadt kommen, sagen: In Geisa ist es schön“, erklärte er. Minister Trautvetter warnte davor, beim Pflastern des Schlossplatzes gewölbtes Pflaster zu verwenden. Stattdessen sprach er sich für Granitpflaster mit glatter Oberfläche aus. „Wir müssen besonders auf die älteren Menschen Rücksicht nehmen. Das Pflaster muss leicht befahr- und begehbar sein“, sagte Trautvetter und bot an, darüber auch mit der Denkmalbehörde zu verhandeln. „Da sprechen Sie uns aus dem Herzen“, sagte Martin Henkel. Auch Anneliese und Werner Deschauer sprachen sich für eine glatte Pflaster-Oberfläche aus. (sach)

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