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Erschienen am 09.03.2010 00:00
Erdfall
"Wir haben nichts mehr zu verlieren"
Thüringer Umweltminister Jürgen Reinholz in Tiefenort / Viele Fragen bleiben weiter ungeklärt
Von Ute Weilbach

Tiefenort - Sind die 10 000 Euro Soforthilfe

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Dr. Eckart Bergmann erklärt Werner Krug, Dorothea Hochstrate, Minister Jürgen Reinholz und Landrat Reinhard Krebs (v. l.), wie weiter untersucht werden soll.
Bild: Heiko Matz
steuerwirksam? Müssen sie in der Steuererklärung angegeben werden? Muss die Soforthilfe zurückgezahlt werden, sollte die Versicherung zahlen? Welcher Zeitpunkt wird für die Auszahlung der Soforthilfe angenommen? Ist es der Termin der Nutzungsuntersagung oder der erste Erdfall vor acht Jahren? Viele dieser Fragen der Tiefenorter Erdfallopfer konnte Umweltminister Jürgen Reinholz gestern in Tiefenort nicht beantworten. Er versprach aber, sie weiterzuleiten und die Antworten nachzureichen. Reinholz sammelte die Kontonummern ein, damit noch in dieser Woche die Soforthilfe von 10 000 Euro pro Betroffener ausgezahlt werden kann. Auf Nachfrage von Dorothea Hochstrate bestätigte Reinholz, dass mit der Auszahlung des Geldes ein Schreiben an die Betroffenen gehe, in dem sie auch aufgefordert werden, einen genauen Verwendungsnachweis zu führen.

Reinholz sicherte den Betroffenen weitere geologische Erkundungen des Erdfalls zu. Wie Dr. Eckart Bergmann, Abteilungsleiter Bergbau im Thüringer Umweltministerium, vor Ort am Erdfall berichtete, waren gestern Experten der Bergakademie Freiberg vor Ort. Auf die Frage von Werner Krug, ob die sich in das Loch auch noch einmal abseilen würden, entgegnete Bergmann: Das sei nicht nötig. Die Experten würden auf der Grundlage der bisherigen Zahlen und anhand von Satellitenbildern ihre Aussagen treffen. Diese Satellitenbilder würden seit sechs Jahren alle elf Stunden durch die USA erstellt und "müssten teuer eingekauft werden".

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Der Erdfall, der nie Ruhe gab.
Bild:  
Aufgrund dieser Ergebnisse, so Reinholz, werde die weitere Vorgehensweise koordiniert. Es stehe die Frage, inwieweit in Tiefenort das Hohlraumgesetz greife und welche Auswirkungen die Betonplombe habe. Keine Hoffnung machte Reinholz den Betroffenen, die versicherungsrechtlichen Fragen betreffend. Hier könne das Land keine Hilfestellung leisten. Die Verhandlungen mit den Versicherungen seien Privatsache. Im Gespräch direkt am Erdfall gab er dem Erdfallhilfeverein den Rat, sich Rechtsbeistand zu suchen.

Reinholz kündigte den Besuch von Bauminister Christian Carius an. Der werde mit den betroffenen Familien Einzelgespräche führen. Das traf auf Widerstand. Erst wenn die allgemeinen Forderungen erfüllt seien, werde man sich auf Einzelgespräche einlassen, so die einheitliche Meinung der betroffenen Familien. Und die allgemeinen Forderungen nannte Corinna Rößler dem Minister noch einmal klar und deutlich: Entschädigung, neue Grundstücke und neue Häuser. Kein Verständnis zeigten die betroffenen Familien für die erneute Aussage des Ministers, dass der Besitzer des Grundstücks, von dem die Gefahr ausgehe, verantwortlich sei. Das habe man ihrer Familie bereits vor acht Jahren mitgeteilt, sagte Dorothea Hochstrate.

Der Unmut der Betroffenen wächst. Die Soforthilfe ist für sie ein Tropfen auf dem heißen Stein. "Die Familien sind kaputt, wir haben Haus und Hof und die Gesundheit verloren, wir haben nichts mehr zu verlieren, wir werden kämpfen", sagt Verena Haus. Sie bauen dabei auf die Unterstützung von Landrat Reinhard Krebs, der mit vor Ort war. Bürgermeister Hans-Georg Hüther forderte ein Thüringer Gesetz für Erdfälle, sodass in Zukunft allen Betroffenen im Land schnell und unbürokratisch geholfen werden könne. Für die Tiefenorter käme es zu spät. "Acht Jahre wurden wir nur vertröstet. Nun schiebt es wieder ein Minister auf den anderen - das werden wir nicht hinnehmen", so Kurt Block unter lautstarker Zustimmung.

 
 
 

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