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Erschienen am 06.02.2010 00:00
Erdfall
Endlich Klarheit für Tiefenorter?
Land signalisiert Bereitschaft zur Hilfe / Kommende Woche werden Fakten erwartet

Tiefenort - "Die Sache hat sich bis nach Tschernobyl herumgesprochen", erzählt Werner Krug, Anwohner der Tiefenorter Frankensteinstraße, in der ein riesiger Krater klafft. Sein Freund Kolja habe ihn angerufen und gesagt: "Werner, in dem Haus habe ich doch geschlafen bei dir." An Werner Krugs Haus sind seit Jahren Spuren der unterirdischen Bewegungen, die erstmals 2002 und in den Folgejahren immer wieder zu Erdfällen geführt hatten, sichtbar: lange Risse ziehen sich durchs Mauerwerk.

Bürgermeister Hans-Georg Hüther und Landrat Reinhard Krebs (beide CDU) hatten gestern ins Tiefenorter Rathaus geladen, um Neuigkeiten bekannt zu geben: "Das Ergebnis der heutigen Beratung mit dem Umweltministerium stimmt erwartungsvoll", verkündete Hüther. Bezugnehmend auf die Überschrift "Ist das Dorf noch zu retten?" in einer Boulevardzeitung sagte er: "Ich gehe davon aus."

Als Reaktion auf ein Schreiben des Landrats an das Ministerium waren Hüther und Krebs gestern mit Umweltstaatssekretär Roland Richwien zusammengekommen. Bei der Erörterung der Frage der Zuständigkeiten, die sich in dem Fall aus dem unterirdischen Hohlräumegesetz ergeben, sei man zwar nicht weitergekommen, weil "das Umweltministerium und die kommunale Seite unterschiedliche Aufassungen" zur Auslegung hätten. Dennoch sei der Ausgang des Gesprächs positiv: Auf die Bitte um Landeshilfe für die Betroffenen, habe der Staatssekretär erklärt, "dass er dieses Ansinnen wohlwollend prüft", so Krebs. "Ganz wichtig ist, dass wir in dem Gespräch, auch ohne das Gesetz zu bemühen, das Ziel erreicht haben, das wir verfolgt haben", meint Hüther. Außerdem übernimmt das Land nach seinen Worten nun "die Regie" über das weitere Vorgehen. Die Forscher der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) werden ihre Erkundungen in den nächsten Tagen fortsetzen und am Donnerstag, 11. Februar, auswerten. Erörtert werden soll bis dahin auch, welche Frühwarnsysteme und Stabilisierungsmaßnahmen künftig nötig sein werden.

Am Freitag, 12. Februar, werden die Fachleute dann eine Empfehlung an die Gemeinde Tiefenort und den Wartburgkreis abgeben. Am 15. Februar werde entschieden, ob die Familien in die evakuierten Häuser zurückkehren können beziehungsweise, was - wenn dies nicht der Fall ist - mit den Grundstücken passiert. "Das bundesdeutsche Recht geht davon aus, dass der Eigentümer Träger des Risikos ist. Das sage ich nicht, weil das meine Einschätzung ist, sondern das ist die gesetzliche Grundlage", so Krebs. Deshalb wäre "ein Beitrag des Landes hier schon ein wesentlicher Mosaikstein - und den erwarten wir auch", sind sich Landrat und Bürgermeister einig. Land, Kreis und Kommune müssten "an einem Strang ziehen". Das Ministerium habe nun auch anerkannt, dass im Tiefenorter Erdfallverein fachkundige Leute sitzen, die wissen, wovon sie reden. Gemeinde und Landkreis, versprach Krebs, "werden alles, was den Betroffenen im Moment hilft und was dort nötig ist, im Rahmen unserer Möglichkeiten tun". Für Anregungen und Kritik seien er und der Bürgermeister "jederzeit offen". Das Wichtigste sei nun, Klarheit zu bekommen. "Es müssen endlich Aussagen kommen: Wo sind gefährdete Zonen, wo kann weiter gewohnt werden. Auch wenn die Antwort für den ein oder anderen schmerzlich sein wird", befindet Hüther. Die Erkundungen müssten auch dahingehend erweitert werden, inwieweit weitere Gebiete gefährdet sind. "Wir können noch nicht von einer Katastrophe reden - aber wir dürfen es nicht so weit kommen lassen, dass wir erst über Menschenleben reden müssen."

Außerdem muss nach Hüthers Ansicht auch endlich Klarheit darüber herrschen, ob die Nähe zum Bergbau die Erdrutsche beeinflusst oder nicht. Dass es so sein könnte, haben die Geologen der TLUG bisher ausgeschlossen. Die Erklärung der Experten: In einer mehrere hundert Meter tiefen Spalte werden Substanzen wie Salze ausgespült. In die Lücken rutscht dann Gestein nach. In den vergangenen Jahren waren Tonnen Kies in die Löcher verfüllt worden und immer wieder verschwunden, "ein Fass ohne Boden", wie der Bürgermeister sagt. Statt dieser Notsicherungsmaßnahmen soll nun endlich eine dauerhafte Lösung gefunden werden. bf

 
 

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