Südthüringer Zeitung

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Ressort Klartext
Erschienen am 15.06.2009 00:00
KLARTEXT
Piraten auf Landgang
Von Uwe-Bernd Herchen

Die Europawahl liegt bereits ein bis zwei Ewigkeiten zurück. Und alles ist inzwischen gesagt worden: über die dürftige Beteiligung, über das Menetekel für kommende Wahlen, über diverse Rechtswendungen in diversen Ländern, über Browns und Britanniens "splendid isolation", über ... Wirklich alles? Hier soll eine bedeutsame Betrachtung nachgeliefert werden, die von den Kommentatoren bisher unverständlicherweise vernachlässigt worden ist: Den Piraten in Deutschland ist, im Gegensatz zu ihren Blutsbrüdern vor Somalias Küsten, der Erfolg versagt geblieben. Kein Land in Sicht; auf 0,9 Prozent sind sie, die Netzpiraten, bundesweit gekommen, die Fünf-Prozent-Hürde noch nicht einmal am Horizont. So hat sich der "Fluch der Karibik" schaurig auf seine (Film-)Weise erfüllt. Gut, immerhin 8902 Bürger haben in Thüringen für die politischen Freibeuter gestimmt. Mit diesen ebenfalls 0,9 Prozent belegen sie im Freistaat den elften Platz unter 31 Schiffen der Kaperfahrt; weit vor beispielsweise der "Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale (PSG)", bei der kümmerliche 504 Wähler ihr Kreuz gemacht haben. Schwedens Seeräuber allerdings waren um einiges erfolgreicher, sie segelten aus dem Stand auf 7,1 Prozent der Stimmen und stellen damit einen Abgeordneten in Straßburg. Mit Augenklappe und Enterhaken? Wir wissen es (noch) nicht. Was haben sich diese IT-Korsaren mit ihrer Plattform "The Pirate Bay" aufs Panier geschrieben? Freiheit im Internet, Recht auf kostenlose Downloads, gegen staatliche Überwachung der Telekommunikation. Man kann diese Schauerromantik aber auch anders lesen: für Aushebelung des Urheberrechts, gegen Sperren bei Killerspielen und Kinderpornos. Getarnt als bürgerliche Meinungsfreiheit. Oder: unter der Piratenflagge mit Totenkopf und zwei gekreuzten Knochen schlicht Diebstahl und Raub und ein bisschen Anarchie. Wie schon in der "Odyssee", wie in der "Schatzinsel", wie bei Captain Hook in "Peter Pan". Oder noch anders: ein Generationenkonflikt Internet (Jung) gegen Schreibmaschine (Alt). Oder ganz schlicht: "Wir sind jetzt in der staatlichen Parteienfinanzierung", wie der deutsche Spitzenkandidat Andreas Popp auf Deck beim Öffnen der Kiste mit den Goldmünzen mit unschuldsvollem Augenaufschlag feststellte. Und deshalb jetzt "Leinen los" und Kurs auf die Bundestagswahl. Die "Seeräuber-Jenny" winkt schon ...

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von cwagner am 15.06.2009 10:55
    Qualität?
    Guten Tag, ich möchte darauf hinweisen das "The Pirate Bay" nichts mit der Piratenpartei zu tun hat außer der Tatsache das teilweise ideologische Überschneidungen bestehen.
    Aber das würde vermutlich nicht in ihr etwas engeres Weltbild passen das sie sich hier so zusammenbasteln.

  • von pirat am 15.06.2009 11:27
    Recherche?
    Wo hat man die Informationen für diesen niederträchtigen Beitrag gefunden? In einem Piraten-Schauermärchen? Entschuldigung, aber von einer "seriösen" Zeitung erwartet man eigentlich korrekte Berichterstattung und nicht Volksverhetzung/ Propaganda. Wir PIraten haben Ziele, die sich mit Ihren dreisten Formulierungen keineswegs überschneiden.

  • von hendrikstiefel am 15.06.2009 11:27
    Schlechter Journalismus
    Sehr geehrter Herr Herchen,
    danke dass Sie unserer Partei einen Artikel widmen.
    Auf die 0,9 % der Stimmen oder absolut 8902 Menschen aus Thüringen sind wir stolz.
    In Thüringen gab es so gut wie keine Werbung für unsere Partei, auch aus dem Hintergrund heraus, dass es noch keinen Landesverband gibt.
    Das Wahlergebnis in Schweden zeigt jedoch deutlich die Anerkennung unserer gemeinsamen Ziele, nämlich die Erhaltung der Grundrechte, Freiheit sowohl im „digitalen Leben“ (siehe Vorratsdatenspeicherung und Zensurbestrebungen) als auch im „analogen Leben“ (siehe Elektronische Gesundheitskarte und Trivialpatente auf Schweine und Kartoffeln).
    Weiterhin hat die Deutsche Piratenpartei absolut nichts mit „The Pirate Bay“ zu tun. Man kann ihnen in diesen Punkt nur totales Versagen in ihrer journalistischen Recherche vorwerfen.
    --> 2 Teil im nächten Post

  • von hendrikstiefel am 15.06.2009 11:28
    Schlechter Journalismus 2
    Ich kann diesen Artikel nur so deuten, dass die sowohl für die Überwachung der Telekommunikation als auch die Zensur im Internet befürworten.
    Wir müssen in Thüringen nur 20 Jahre zurückblicken, um zu erkennen, zu was das geführt hat. Anscheinend fanden Sie die Methoden der Staatssicherheit akzeptabel. Mir wurden im Geschichtsunterricht die negativen Auswirkungen nahegebracht.
    Außerdem bitte ich Sie in einem Nachschlagewerk ihrer Wahl die Definition von Raub und Diebstahl nachzulesen. Ihre Formulierungen zum Thema Urheberrecht basieren ausschließlich auf den plakativen und gegenstandlosen Äußerungen der Contentindustrie.
    --> 3. Teil im nächten Post

  • von hendrikstiefel am 15.06.2009 11:28
    Schlechter Journalismus 3
    . Professioneller Journalismus sieht in meinen Augen anders aus. Einige Ihrer Kollegen haben durchaus begriffen, um was es uns geht. Sie können ja gerne einmal eine Suchmaschine mit der Anfrage „Die Generation C64 schlägt zurück“ bemühen. In diesem Artikel fällt zwar kein Satz zur Piratenpartei, aber eines wird klar: Wir sind nicht alleine mit unseren Anliegen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Hendrik Stiefel

  • von hustenkamp am 15.06.2009 11:52
    Schlechter Journalismus 4
    Sehr geehrter Herr Uwe-Bernd Herchen,

    regelmäßig verbringe ich meine Zeit damit, Ihre Onlinebeiträge zu verfolgen.

    Interessant erscheint mir dabei in letzter Zeit, dass Sie offenbar die Tätigkeit für welche Sie entlohnt werden nach- und nach vernachlässigen. Sie fallen zunehmend durch unseriöse Berichterstattung auf. Es fehlen zahlreiche Fakten, alles wird auf die durchschnittliche Bild-Berichterstattung zurück geschnitten, umfangreiche Quellenangaben fehlen - es ist inzwischen fast schon eine Zumutung.

    Ich bin aus der Vergangenheit Artikel gewohnt, die den Namen Berichterstattung verdienen. Sie recherchierten Details und formulierten diese neutral aus. Was ist geschehen? Wirklich schade Herr Uwe-Bernd Herchen, mit mir geht Ihnen ein treuer Anhänger nach- und nach verloren.

    Mit freundlichen Grüßen
    H. Hustenkamp

  • von pirat2 am 15.06.2009 11:58
    Journalismus?
    Sehr geehrter Herr Herchen,

    leider haben sie einen Grundsatz des Journalismus, wenigstens ansatzweise zum Thema zu recherchieren, nicht befolgt. Ein paar Schlagworte aus der Yellow-Press, vermischt mit ein paar ironischen Spitzen, machen leider keinen seriösen Kommentar aus.

    Mit freundlichen Grüßen

  • von bundesbedenkentraeger am 15.06.2009 12:04
    Anders lesen...
    Ja, man kann lesen: Gegen sperren bei Killerspielen und KiPo. Denn genau darum geht es: KiPo muß nicht gesperrt, sondern gelöscht werden. Das will als einzige Partei die Piratenpartei, alle anderen wollen einfach wegsehen. Mit der Vorgehnsweise hatten wir schonmal schlechte Erfahrungen. Sogenannte Killerspiele unterscheiden sich auch nicht wesentich davon, als Kind Cowboy un Indianer oder Räuber und Gendarm zu spielen. Früher waren es Spritzpistolen, heute Pixelgewehre. Wo, außer in der mangenden Bewegung, liegt da die Gefahr?

  • von bundesbedenkentraeger am 15.06.2009 12:05
    Anders lesen II
    Nahezu jeder Bundesbürger unter 30 hat hierzulande wahrschinelich schonmal ein "Killerspiel" gespielt. Wären sie wirklich so gefährlich, müßten mehr Leute Amok laufen. Hier werden Zusammenhänge hergestellt wie wenn man den Rückgang der Storchenpopulatin in Verbindung bringt mit dem Rückgang der Geburtsraten... Amokläufer haben solche Spiele gespielt, ja. Wie viele haben geraucht? Wie viele waren rasiert? Wie viele hatten lange Haare. Es gibt keinen Zusammehang.
    Letzter Punkt: Urheberrecht. Dieses soll nicht ausgehebelt werden, sondern verändert. So wie Regierungen seit eh und je das Urheberrecht verändern. Nur einmal in eine andere Richtung. Eben um Raub un Diebstahl zu verhindern.
    Wie oft hat mich die Musik und Filmindustrie beraubt, indem ich gezwungen war, bestimmte nee Abspielgeräte zu kaufen, weil die neue CD oder DVD nicht auf meinem Abspielgerät lief?

  • von bundesbedenkentraeger am 15.06.2009 12:06
    Anders lesen III
    Inzwischen gibt es ein Recht auf Umtausch, aber wer weiß das? Und wenn man die Musik gerne hört, gibt man die CD nicht zurück, sondern wirft der Industrie nochmal Unsummen nach, für einen neues Abspielgerät, das man eigentlich nicht bräuchte.
    Ich höre am Computer gerne Musik, kann das aber nur, wenn ich eine Stereoanlage daneben stell, die nochmal Geld kostet. Denn mein CD Laufwerk im Computer spielt längst nicht alle CDs ab. Wenn ich nun die Musik, die ich auf CD habe aus dem Internet lade, um nicht noch ne Anlage zum Rechner kaufen zu müssen, dann mache ich mich strafbar und muß, falls ertappt, hunderte Euro Strafe zahlen. Nur weil ich die Ausgaben für einen weiteren CD Spieler, den ich nicht brauche, sparen wollte. Und wenn es darum geht ob ich oder andere ausgeraubt werden sollen, dann bin ich doch eher der Meinung, daß ich nicht beraubt werden will, zumal die Industrie genug Lobbyisten hat, um irgendwie doch wieder Geld aus meiner Tasche zu ziehen.

  • von pirat3 am 15.06.2009 18:09
    Fachlich Inkorrekt 4-
    Sehr geehrter Herr Herchen,

    Sie bieten ihren Leserinnen nun wieder ein mal ein fabelhaftes Beispiel ihrer journalistischen Fähigkeiten zum Lesen an. Diese Qualität sollte unter der würde eines jeden Journalisten sein. Muss man Nebentätigkeiten für die Content-Industrie bei seinem Arbeitgeber eigentlich anmelden?

    Da sich die STZ gegen die Löschung von KiPo ausspricht werde ich ihre Zeitung abbestellen und jedem Bekannten das gleiche empfehlen.

    Berichtigen sie mich wenn ich falsch liege.

    Guten Tag!

  • von a.anders am 15.06.2009 20:44
    Schauergeschichte
    Ich bin entsetzt. Wirklich. Und das passiert selten.
    Es ist mir absolut unklar, was man frühstücken muss, um sich zu soetwas hinreißen zu lassen. Ich bin selbst (noch) kein Mitglied der Piratenpartei, aber ich tue etwas, was Sie offenbar versäumt haben - ich informiere mich. Und das mit möglichst objektiven Quellen.

    Ihr Artikel wimmelt nur so von Falschdarstellungen und Wahrheitsverdrehung, sodass sich bei mir auch was dreht, nämlich mein Magen. Das grenzt schon an Verleumdung und zeigt für den Fachkundigen recht deutlich, dass man Ihnen, Herr Herchen, den gleichen Vorwurf machen kann wie den Politikern, die von Netzsperren und Vorratsdatenspeicherung reden - Sie haben absolut keine Ahnung, wovon Sie reden.

    PirateBay? Piratenpartei? Klingt ähnlich, hat jedoch nichts miteinander zu tun.

    Aushebelung des Urheberrechts? Lesen Sie doch bitte erstmal das Parteiprogramm.

    weiter >>

  • von a.anders am 15.06.2009 20:45
    Schauergeschichte 2
    Gegen Internet-Kinderporno-Sperren? Ja klar! Dieser Dreck müsste sofort gelöscht werden! Die rechtlichen Grundlagen hierfür existieren! Außerdem kann man jedem noch so dummen Internetnutzer innerhalb von 5 Minuten beibringen, wie man solche Sperren umgeht.
    Die Sperren haben nur einen Zweck, und zwar die Einrichtung einer Kontrollinstitution zu ermöglichen. Willkommen in der Stasi. Erst sind es Kinderpornos, dann Oppositionsseiten.

    Gegen Verbot von Killerspielen? Jop. Ich als Psychologiestudent könnte Ihnen seitenweise Erklärungen liefern, warum Ballerspiele NICHT eine neue Generation von Amokläufern heranzüchten, aber das würde den Rahmen sprengen.

    Desweiteren halte ich Ihre Wortspiele und möchtegern-witzigen
    Ausführungen für absolut fehl am Platz und unprofessionell.
    Insofern Sie sich nicht mit diesem Artikel als Chefjournalist beim Axel-Springer-Verlag bewerben wollen, würde ich Ihnen eine gründliche Überarbeitung empfehlen.

    Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

  • von r.lemos am 16.06.2009 11:19
    Warum ich die Piraten wählte
    Zunächst zu diesem aus den Kommentaren entstandenen Gesamtprodukt: Der Artikel ist lächerlich und die Kommentare informativer und objektiver als das, was Sie, Herr Herchen, sich da zusammengebastelt haben.

    Warum wählte ich die Piraten? Ganz einfach, schauen Sie sich an, welche Berufe die Piraten ausüben. Diplommathematiker, Physiker, Informatiker. In diesen Berufen benötigt man "logisches Denken" und "Abwägung von möglichen Folgen". Zwei Fähigkeiten, die in unseren heutigen Regierungen leider fehlen. Momentan an der Macht: Die CDU. Juristen. Alte Menschen mit zurückgebliebener Weltauffassung, die ihre verquere und unrealistische Meinung mithilfe von Gesetzen durchbringen wollen, die zum Schutze der Bürger gemacht wurden, nicht um sie zu drangsalieren. Natürlich, es ist alles rechtens, doch schon einmal kam ein Österreicher an die deutsche Macht, der sich komplett im Rahmen des damaligen Gesetzes bewegte.

    Mit freundlichen Grüßen

 

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